Veröffentlicht am Do., 19. Jul. 2018, 10:50 Uhr

Im September geschieht in Bad Oldesloe etwas Einzigartiges. Das lange vergessene Oratorium „Simon Petrus“ des Mendelssohn-Schülers Ludwig Meinardus (1827 – 1896) wird erstmals nach rund 160 Jahren wieder aufgeführt. Die handschriftlichen Noten für „Simon Petrus“ entdeckte der Hohenwestedter Kirchenmusiker Norbert Klose in einem Göttinger Archiv. Erst durch seine monatelange Erarbeitung der Orchesterpartitur in gedruckter Form wurde das Werk aufführbar. Die Kooperation der beiden Kirchenmusiker Henning Münther und Norbert Klose mündet nun in zwei Konzerte mit 120 Chorsängern aus Bad Oldesloe, Hohenwestedt und Neumünster, fünf namhaften Solisten und einem Orchester. Die Erste Wiederaufführung findet unter der Leitung von Henning Münther in Bad Oldesloe am Samstag, 15. September, um 19 Uhr in der Peter-Paul-Kirche statt. Platzkarten zu Preisen zwischen 5 und 21 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr sind ab Dienstag, 21. August, um 10 Uhr hier im Internet und bei den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich: In Bad Oldesloe beim Reisebüro Schügner und beim Ticketcenter des Stormarner Tageblatts und in Reinfeld bei der Buchhandlung Michaels.

Ein weiteres Mal wird das Oratorium am Sonntag, 23. September, um 19 Uhr in der Peter-Pauls-Kirche Hohenwestedt zum Klingen gebracht. Die Karten zu 6,- bis 18,- Euro hierfür sind ebenfalls ab Dienstag, 21. August,  erhältlich bei Antik Soll & Haben, Wilhelmstraße 6, 24594 Hohenwestedt. Restkarten für beide Aufführungen sind auf jeden Fall an den Abendkassen zu haben. 

Das neu entdeckte Oratorium „Simon Petrus“ ist in vielen Bereichen mit dem „König Salomo“ vergleichbar, der vor einigen Jahren ebenfalls als Kooperation der beiden Kantoren aufgeführt wurde. Im „Simon Petrus“ geht es etwas weniger dramatisch, dafür etwas lyrischer zu. Die Bezeichnung „Kirchenoper“ ist angesichts der romantischen Klänge und der tonmalerischen Musiksprache nicht übertrieben. Die Musik erinnert an Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, dem Lehrer von Meinardus. Viele aufwendige Bearbeitungen bekannter Choräle schmücken das Werk aus. Manchmal scheint auch die Leitmotivik von Wagner eine Rolle zu spielen. An anderen Stellen erklingen dagegen schlichte, asketische Choräle. 

So weit bekannt, war das Oratorium bisher erst dreimal öffentlich zu hören und zwar bei der Uraufführung 1857 und zwei folgenden Konzerten in Schlesien. Die Besetzung ist opulent. Als Solisten sind Caroline Bruker-Freier, Sopran, Michael Connaire, Tenor, Sönke Tams Freier, Bariton, und Burkhard von Puttkamer, Bariton, engagiert. Der Part der Altistin, die in diesem Werk die Erzählerstimme übernimmt, muss noch kurzfristig neu besetzt werden. Der große Chor besteht aus dem Oldesloer Buxtehude-Chor, der Kantorei Hohenwestedt, der Cantica Neumünster und einigen Projektsängern. Die Sinfonietta Lübeck stellt mit ihren professionellen Musikern das Orchester. 

Inhaltlich beschäftigt sich „Simon Petrus“ mit dem wichtigsten Jünger Jesu, dem „Menschenfischer“ Petrus, Gründer der Kirche. Szenen aus seinen Begegnungen mit Jesus werden dargestellt, darüber hinaus auch die Verleugnungsszene und das Pfingstwunder. Norbert Klose wirkt in der Peter-Pauls-Kirche Hohenwestedt, Henning Münther in der Peter-Paul-Kirche Bad Oldesloe. Verständlich, dass die Musiker die gemeinsame Arbeit als spannend empfinden. Und da in beiden Kirchen vor Jahren schon der „Paulus“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt wurde, „war es an der Zeit, nun auch den zweiten Namensgeber unserer Kirchen mit einem musikalischen Werk zu würdigen“, so Norbert Klose.

Von der Existenz des Oratoriums erfuhr Klose schon bei der Arbeit an „König Salomo“. In der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Göttingen fanden sich vier autographe Partituren aus dem Jahr 1857. Gedruckt wurden diese nie. Die best erhaltenste Reinschrift, bestehend aus mehr als 400 Seiten, erwarb er als Scan und setzte sie danach mit Hilfe eines Computerprogramms komplett neu. Der Klavierauszug war schnell erstellt. Die Arbeit an den Orchesterstimmen dauerte einige Monate länger. Doch nun ist die Partitur als gedrucktes Werk im Handel zu erwerben. „Mein Ziel ist es, meine Chöre nach Möglichkeit kein Werk wiederholt aufführen zu lassen, sondern stattdessen immer wieder neue Musik aufzutun“, beschreibt Norbert Klose seine Arbeit. „Ich finde es viel spannender, solche unbekannten Oratorien wieder zum Klingen zu bringen. Ich finde es ein Jammer, dass so viele Werke, die es qualitativ verdient hätten, nicht die Chance erhalten, einem breiten Publikum vorgestellt zu werden, weil man sich nicht auf die etwas risikobehaftete Aufführung unbekannter Literatur einlassen mag. Es ist jedoch meine tiefe Überzeugung, dass es nötig ist, sowohl Chorsänger und Solisten, als auch Orchestermusiker und Publikum gelegentlich an die Hand zu nehmen, und ihnen zu zeigen, dass es noch Vieles  - abseits des üblichen Standardrepertoires – zu entdecken gibt und dass dies sehr lohnende Begegnungen sein können.“ Eine CD mit den Liveklängen der Konzerte soll zur Weihnachtszeit erscheinen.


 

 

 

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